Peptid 1

Melanotan 1

Ein lineares Peptid, zwei gezielte Veränderungen – und als einziges der beiden ein zugelassener Arzneistoff, wenn auch für einen sehr speziellen Zweck.

Aufbau

Melanotan 1 besteht wie α-MSH aus 13 Aminosäuren. Zwei Positionen sind verändert: An Stelle 4 ersetzt Norleucin das oxidationsempfindliche Methionin, an Stelle 7 steht D-Phenylalanin statt der natürlichen L-Form. Fachlich heißt das Molekül deshalb [Nle⁴, D-Phe⁷]-α-MSH, abgekürzt NDP-MSH. Sawyer und Kollegen beschrieben 1980, dass diese Variante deutlich stärker und viel länger wirkt als das natürliche Hormon.

Vom Labor in die Klinik

Melanotan 1 blieb lange vor allem ein Forschungswerkzeug. Später griff das Unternehmen Clinuvel den Stoff auf und entwickelte daraus ein Implantat. Unter dem Handelsnamen Scenesse ist Afamelanotid seit 2014 in der EU zugelassen – für erwachsene Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie, einer seltenen Stoffwechselerkrankung mit extremer Lichtempfindlichkeit. Das Arzneimittel wird ausschließlich in spezialisierten Zentren verwendet.

Was in Laboren untersucht wird

In der Grundlagenforschung dient NDP-MSH als hochpotenter Standardligand für Melanocortin-Rezeptoren, etwa in Bindungsversuchen mit markierten Liganden oder in Zelllinien, die einzelne Rezeptoren exprimieren. Für solche Arbeiten wird Melanotan 1 als Lyophilisat bezogen, zum Beispiel Melanotan 1 als Forschungspeptid von Peptides EU, und nach dem jeweiligen Protokoll gelöst.

Grenzen und Vorsicht

Die Zulassung von Afamelanotid gilt nur für das Fertigarzneimittel und die genannte Erkrankung. Sie bedeutet nicht, dass Melanotan 1 aus dem Forschungshandel für Menschen geeignet wäre. Forschungsmaterial ist kein Arzneimittel.

Quellen